Mittelalter

Vom Jagdhund zum Hausfreund

Im Mittelalter war die Blütezeit der Hundezucht. Eine Vielzahl unterschiedlicher Rassen entstand. Hunde kamen wieder in Mode, zunächst aber nur bei adligen Jagdgesellschaften. Jedes Wild wurde von einem speziellen Hund gejagt. So gab es bereits den Wolfshund. Er war etwas zierlicher als heute, aber immer noch groß und kräftig genug, um einen Wolf zu jagen und zu töten. Zur Hatz auf Rehwild diente eine geschmeidigere, leichter gebaute Hunderasse, die eher mit einem Windhund vergleichbar ist.

Privileg der Oberschicht
Nichtadligen war der Besitz solcher Jagdhunde verwehrt, sie hatten keinen Zugang zur Jagd und durften die Hunde der Herrschaft nicht einmal berühren. Alles in allem hat die Jagd das Aussehen unserer modernen Hunde entscheidend geprägt. Im 18. Jahrhundert gab es bereits mehr als zwanzig verschiedene Hunderassen in Europa. Hunde waren nicht mehr so sehr das Privileg des Adels, sondern der Oberschicht. Ein Dutzend verschiedene Rassen wurde gezüchtet, spezialisiert darauf, die tote Beute zu apportieren. Die Fuchsjagd wurde schließlich zu einer kunstvollen Zeremonie. Dem komplizierten Jagdritual, der Kleidung und der vornehmen Jagdgesellschaft kam mehr Bedeutung zu als dem Erlegen des Wilds.

Hundeglück für alle
Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte ein dramatischer Wandel ein. Hunde waren nun nicht mehr nur den begüterten Gesellschaftsschichten vorbehalten. Airedale-Terrier wurde beispielsweise von Fabrikarbeitern an den Ufern des Flusses Aire gezüchtet, um Otter zu jagen. Infolge der Industrialisierung verließen viele Menschen das Land und zogen in die Städte. Kleine schwarz-braune Terrier wurden ursprünglich von Stadtbewohnern zur Rattenjagd abgerichtet. In trostlosen Großstädten hatten immer mehr Menschen das Bedürfnis nach Gesellschaft, also züchtete man immer mehr Hunderassen zu diesem Zweck.

Zucht als Geschäft
Wichtiger als die Funktion eines Hundes wurde nun sein Aussehen. Züchten wurde zum Geschäft. Das hatte seinen Preis. Bis heute werden unsere Hunde, um Rassestandards einzuhalten, verstümmelt: Durch Coupieren der Ohren, Stutzen der Schwänze oder sogar Durchtrennen der Kniesehnen. Bewusst oder unbewusst haben wir angeborene Missbildungen weitergezüchtet. Über dreihundert ererbte Defekte kommen bei Hunden vor, und immer wieder tauchen neue auf. Die Bulldogge ist eine Rasse aus dem 19. Jahrhundert, die aus Hunden für die Stierhatz hervorgegangen ist. In viktorianischer Zeit nutzte man eine Erbkrankheit namens Achondroplasie, um den Körper der Bulldogge zu verkürzen und zu deformieren.

Den viktorianischen Arbeitern gefiel die Kampflust der Vierbeiner und sie züchteten einen Terrier, der noch beweglicher war als die Bulldogge. Der Bullterrier musste sich im vermutlich grausamsten aller Wettkämpfe behaupten, dem Hundekampf. In Staffordshire schlug das Herz dieser Leidenschaft und der Staffordshire-Bullterrier war hier König - ein Kraftpaket aus Muskeln und Sehnen. Heute ist die Aggressivität viktorianischer Kampfhunde weitgehend herausgezüchtet, ihre Treue und Ergebenheit sind geblieben.

BBC Doku: Waldis wilde Wurzeln