Hundezucht

Die Geschichte der Hundezucht

Warum hat der Mensch vor vielen tausend Jahren gerade den Wolf zu seinem Freund auserwählt und ihn mit anhaltender Begeisterung nach seinen Vorlieben gezüchtet? Vor einer halben Millionen Jahren waren Menschen und Wölfe gleichermaßen erfolgreiche Jäger, die sich über den ganzen Globus ausbreiteten. Die Menschen töteten die Wölfe wegen ihres Fleisches und ihres Fells, und Wölfe töteten wahrscheinlich auch Menschen. Aber ein einzelner Mensch konnte ohne Hilfe kein großes Tier erlegen. Auch ein einzelner Wolf nicht. Also mussten beide in Gruppen jagen. Dies hatte zur Folge, dass beide hochkomplizierte soziale Systeme entwickelten, um ein Zusammenleben ohne ständigen Konkurrenzkampf zu ermöglichen.

Der gezähmte Silberfuchs
Die außerordentlichen Team- und Jagdfähigkeiten des Wolfes haben vielleicht zum ersten Bündnis zwischen Mensch und Wolf geführt. Doch wie haben die Menschen die Wölfe dazu gebracht, Ihnen bei der Jagd zu helfen? Wie lange hat es gedauert, bis Fügsamkeit zu einem Zuchtmerkmal wurde? Ein paar hundert Jahre? Nein, viel weniger - glaubt man einem russischen Forscher, der in den 70er Jahren in einer sibirischen Fuchsfarm arbeitete. Die Silberfüchse waren ziemlich wild und aggressiv. Die Züchter wählten die fügsameren unter den Welpen aus und züchteten sie weiter. Nur zwanzig Generationen später war aus einem Wildtier ein völlig zahmes Haustier geworden. Ganz nebenbei veränderte sich in dieser Zeit auch das Aussehen der Füchse. Das Fell war nun schwarz-weiß gefleckt, die Ohren hingen und der Schwanz ringelte sich. So mag es auch den Hunden ergangen sein. Der Zufall hat ihr Aussehen wohl genauso bestimmt wie die Absicht der Züchter.

Vor 4000 Jahren in Ägypten
Schon die alten Ägypter befassten sich ausgiebig mit Tierzucht. Vor viertausend Jahren hatten sie es bereits zu einer großen Vielfalt an Hunderassen gebracht. Die verbreitetste Darstellung auf altägyptischen Fresken sind Jagdhunde: groß, aufrechte Ohren, starke Sehkraft. Sie dienten hauptsächlich der Jagd auf Gazellen. Ihre moderne Entsprechung ist der Pharaonenhund. Auf Ibiza leben Jagdhunde, die wohl direkte Nachfahren der ägyptischen Hunde sind. Ihre Ahnen sollen vor langer Zeit direkt vom Nil auf die Insel Ibiza gekommen sein. Die alten Ägypter hingen so sehr an ihren Vierbeinern, dass sie sie nach dem Tod mumifizierten und in einem Sarkophag beerdigten.

Hunde zum Verzehr
Die Chinesen liebten ihre Hunde ganz besonders. Zur Zeit der Han-Dynastie vor zweitausend Jahren züchteten sie ihre Pekinesen so klein, dass sie in einen Kleiderärmel passten. Erzählungen nach dienten sie auch als Wachhunde. Kam ein Bösewicht zu nahe, schlüpfte der Pekinese aus dem Ärmel und biss zu. Die Popularität der Pekinesen nahm mit der Verbreitung des Buddhismus in China zu. Die Pekinesen wurden so gezüchtet, dass ihre Gesichter dem Buddha-Löwen ähnlich sahen. Doch die Beziehung zwischen Mensch und Hund war nicht immer glücklich. Die alten Chinesen züchteten ebenso Chow-Chows, die zum Verzehr bestimmt waren. In der Mandschurei gab es sogar fabrikmäßige Hundefarmen. So kommt es, dass im Englischen das Wort "chow" gleichbedeutend ist mit "Essen".

Kampfhunde im römischen Reich
In römischer Zeit waren Hunde Hirten-, Wach- und Jagdhunde. Kriegshunde waren wohl ursprünglich eine keltische Erfindung, die die Römer bei der Eroberung Britanniens übernahmen. Eine besondere Jagdhundrasse war die Dogge: groß, schwer und wild. Die Römer nahmen sie mit in die Schlacht oder schickten sie zum Kampf in die Arenen. Die bedauernswerten Kreaturen mussten im alten Rom oft mehrere Tage hungern, bevor sie in den Kampf geschickt wurden. Auch im eigenen Haus kamen Hunde immer mehr in Mode. Die Römer verfeinerten die Kunst der Auslesezucht. Doch die Zeiten änderten sich, und mit dem Zerfall des Römischen Reiches verwilderten ganze Rudel herrenloser Hunde.

Oft fielen Hunde Menschen an, oder machten sich an Gräbern zu schaffen. Interessanterweise reichen Wolfsmärchen bis in diese Zeit zurück, ebenso die Legenden von Werwölfen. Vielleicht waren nicht die Wölfe die Übeltäter, sondern eben verwilderte Haushunde!

BBC Doku: Waldis wilde Wurzel